Schulbeginn. Erneut steht uns ein Jahr von Unterwerfung und Erniedrigungen bevor. Nach diesen zwei Monaten „Freizeit“, in denen wir uns ausruhen konnten, beginnt bei den ersten bereits die Langeweile sich breit zu machen. Da drängt sich die Vermutung auf, dass die Schule uns nicht nur körperlich, sondern auch psychisch einengt. Dass die Schule uns also jeglicher Möglichkeit beraubt, selbst über unser Leben bestimmen zu können, ohne dem Einfluss des Lehrers oder einer anderen Autorität ausgesetzt zu sein.

Lasst uns also von Beginn an die richtigen Worte wählen; eine Schule ist ein Knast und nichts anderes. Den Begriff Knast definiere ich als einen Ort oder eine Institution, die uns einsperrt, um – auf welche Weise auch immer – die herrschende Ordnung aufrecht zu erhalten. Arbeit, Schulen, psychiatrische Anstalten, zusammengepferchte Wohnungen, Abschiebelager, Strafanstalten. Die Funktion der Knäste mag variieren, doch entstammen sie alle der gleichen Idee – das reibungslose Funktionieren einer Gesellschaft zu gewährleisten, die auf Unterdrückung und Ausbeutung beruht.

Sprechen wir hier also von der Schule, ein Themenfeld, das, meiner Meinung nach, viel zu oft vergessen wird im Kampf gegen jede Herrschaft. Dabei ist die Schule eindeutig autoritär. Der Lehrer übt eine unantastbare Macht aus; wenn er spricht, müssen alle anderen schweigen. Man braucht eine Erlaubnis für die banalsten Dinge; aufs Klo gehen, miteinander reden, aufstehen oder etwas trinken. Je nach seiner Laune kann der Lehrer dies alles ohne Begründung verbieten. Jeder noch so kleine Verstoß wird bestraft. Überwachungskameras werden zur Normalität. Eigentlich paradox, wenn wir uns vor Augen halten, dass der Staat uns so zu autonomen Individuen erziehen möchte.

Dieses strikte Reglement ist für jeden sichtbar und wird somit oft kritisiert, nicht zuletzt auch von der Linken. Aber nachdem man Jahre über Jahre in diesem Knast verbracht hat, wird es wohl schwierig, diesen engstirnigen Rahmen zu übersteigen. Das Ziel dieser Personen ist es also nicht, den Knast Schule zu zerstören, sondern ihn zu „demokratisieren“ oder etwas ertragbarer zu gestalten. Hierbei handelt es sich bloß um einen weiteren Schritt hin zur Perfektionierung der Schulen, was weit entfernt – wenn nicht gar entgegengesetzt – ist, von dem, was wir uns ersehnen. Diese Kritiken scheinen überdies alle einen wesentlichen Punkt einfach zu ignorieren; die Schule ist kein isoliertes Phänomen, sondern ist in einen sozialen Kontext eingebettet. Und es ist genau hier, wo wir – als Anarchisten – intervenieren können.

Die Schule ist Teil dieser kapitalistischen Welt und nimmt dabei eine entscheidende Rolle ein; sie soll die jüngsten dieser Gesellschaft auf den „Arbeitsmarkt“ vorbereiten. Die in der Schule vermittelten Werte sind, unter anderem, Gehorsam, Arbeitseifer und Konkurrenzkampf. Die Schule führt uns geradeaus in die Fabriken, die Büros oder die Arbeitslosigkeit, aber in keinstem Fall in unsere Freiheit. Wenn wir den Kapitalismus angreifen, müssen wir die Schulen mit der selben Wut zurückweisen, wie wir die Arbeit oder jede andere Herrschaft über unser Leben zurückweisen.

Die Erziehung hat sich im Laufe der Zeit verändert, aber ihr oberstes Ziel bleibt immer dasselbe; den „Kindern“ die Autorität der „Erwachsenen“ auf zu zwingen, wie es schon bei den Spartanern in der Antike oder bei den kirchlichen Schulen im Mittelalter der Fall war. Die Schulen wurden nicht „zu unserem eigenen Wohl“ gegründet, sondern um uns zu domestizieren und uns zu gut geölten Rädchen in einem komplexen und entfremdenden System zu machen. Folglich sind die Schulen nur ein Werkzeug in den Händen der Herrschenden und somit ohne Erbarmen zu zerstören.

Verschiedene Formen von Angriffen gegen den Knast Schule sind allgegenwärtig, werden aber meistens bloß als „grundlose Gewalt“ von jugendlichen Straftätern abgestempelt. Diese Diffamierung stellt nur einen krampfhaften Versuch dar, die Revoltierenden gegen die Schule zu isolieren. Indem wir lauthals unsere Komplizenschaft mit den Angreifern ausdrücken, können wir die Stille durchbrechen, die diesen „Vandalismus“ so oft begleitet. Scheiben einschlagen, Lehrer angreifen oder Mobiliar zerstören sind alles Akte von Individuen, die der Staat noch nicht in eine zahme Herde transformieren konnte. Widersetzen wir uns entschieden der trügerischen Trennung von dem „politischen“ und dem „sozialen“ um endlich unser Leben zurückzugewinnen. Es ist kein Zufall, dass Schulen bei jeder sozialen Revolte zu den ersten Angriffszielen zählen. Lassen wir alle Hürden zurück, die uns diese Gesellschaft aufdrängt. Was uns antreibt, die Schulen – und alle anderen Knäste – anzugreifen, ist unsere grenzenlose Leidenschaft für die Freiheit.

Auf dass der nächste Feueralarm mehr ist als bloß eine Präventivmaßnahme…

Eine kleine Ubersicht der Ausdrucke der Wut gegen Schule in Belgien im Oktober

(Ein Text, der am 31. Oktober in der 22. Ausgabe der Belgischen anarchistischen Strassenzeitschrift Hors Service publiziert wurde.
von an die Waisen des Existierenden)